Der edle Akt: Porzellan und Erotik
Sonderausstellung "Der edle Akt: Porzellan und Erotik"
28.3. - 1.11.2026
Nackte Körper, zärtliche Umarmungen, provokante Posen: Die europäische Porzellankunst ist voll von erotischen Motiven und Botschaften – und manchmal scheint das Material selbst zu flirten. Unsere Ausstellung lädt dazu ein, genauer hinzuschauen: Seit dem 18. Jahrhundert spielen Erotik, Sexualität und Geschlecht eine überraschend deutliche Rolle in den zarten, glänzenden Figuren und Gefäßen.
Zwischen Rokoko-Leichtsinn und zeitgenössischer Körperpolitik entfalten sich Geschichten von Lust und Verlangen, von sozialen Regeln, Tabus – und ihrer lustvollen Überschreitung. Erleben Sie, wie Porzellan nicht nur erotische Motive zeigt, sondern selbst aufgeladen wird: als Objekt der Begierde, als Projektionsfläche, als Kunst, die mehr enthüllt, als sie verbirgt.
Das Thema wird in vier Ausstellungsbereichen untersucht:
Körperbilder in der Alten Kapelle
Hier lässt sich verfolgen, wie vom 18. Jahrhundert bis heute der menschliche Körper dargestellt wurde und wird. Die Schönheitsideale jeder Epoche lassen sich dabei ebenso ablesen wie die Vorstellungen von geschlechtlichen Identitäten und damit verbundenen Rollenerwartungen. Bis zum späten 20. Jahrhundert hinaus dominieren dabei die Darstellungen von idealisierten Körpern weißer Menschen aus einer binären, heteronormativen Perspektive. Dieser Ausstellungsteil lädt dazu ein, heutige und auch eigene Körperbilder zu hinterfragen.
Facetten von Lust und Liebe im Gerverot-Saal
Zarte Verliebtheit, inbrünstige Liebe, wilde Ekstase, rasende Lust, todtraurige Sehnsucht – das Begehren kennt eine Vielzahl von Gefühlsregungen. Zwischen Liebesglück und Liebesleid schwankt das Pendel der Lust als zutiefst menschlicher Eigenschaft. In der Vergangenheit bestimmte wiederum der heteronormative und vorrangig männliche Blick die Kunstproduktion. Mit Werken der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit wird die Vielfalt der Lust gefeiert.
Materialerotik im Foyer vor der Besucherwerkstatt
Das Wort „Porzellan“ weckt viele Assoziationen – auch mit erotischem Bezug: die „Porzellanhaut“ beschreibt ein Schönheitsideal, als „Porzellanpuppe“ wird ein bestimmter Frauentyp analogisiert. Und warum gilt Porzellan oft sogar als „weibliches“ Material? Doch es geht auch um den praktischen erotischen Gebrauch, wenn daraus Sextoys gefertigt werden.
Sammellust in der Besucherwerkstatt
Das Sammeln lässt sich hocherotisch deuten: die lustvolle Jagd nach einem Objekt der Begierde, die Glücksgefühle beim erfolgreichen Erwerb… Für Siegmund Freud war das Sammeln ohnehin nur eine Kompensation unerfüllter sexueller Wünsche. In diesem Ausstellungsbereich werden drei historische Sammlerpersönlichkeiten vorgestellt, nämlich August der Starke, Madame de Pompadour und Rudolf Just, für die der Besitz von Porzellan ganz unterschiedliche, aber immer auch eine lustvolle Bedeutung hatte. Außerdem gibt es mit der Inszenierung einer kompletten Privatsammlung einen Blick „inside the head of a collector“ auf der Grundlage neuer US-amerikanischer Forschung in der Neuropsychologie.
Eröffnung: 27. März 2025, 18 Uhr (Eintritt frei)
Laufzeit: 28. März bis 1. November
Die Ausstellung wird gefördert von:
Kulturstiftung der Länder
Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Porzellanmanufaktur FÜRSTENBERG
Niedersächsische Sparkassenstiftung
Braunschweigische Sparkassenstiftung
Stiftung Niedersachsen
Die Braunschweigische Stiftung
Renate Ahrens Stiftung
Stiebel Familienstiftung
Freundeskreis Fürstenberger Porzellan e.V.